Russische Hacker nutzen benachbarte Netzwerke aus: Neue WLAN-Bedrohungen
Veröffentlicht: 2026-01-05Cyberangriffe sind im letzten Jahrzehnt immer ausgefeilter geworden, und staatlich unterstützte Hacker haben neue Methoden entwickelt, um digitale Perimeter zu durchbrechen. Zu den besorgniserregendsten Bedrohungen im Jahr 2024 gehört der aufkommende Trend, dass russische Hacker benachbarte Wi-Fi-Netzwerke ausnutzen, um verdeckte Cyber-Einbrüche zu starten. Diese Angriffe sind nicht nur gefährlich, sondern auch schwer zu verfolgen, was sie für Einzelpersonen und Unternehmen in ganz Europa und Zentralasien zu einer besonderen Herausforderung macht.
TL;DR: Russische Hackergruppen nutzen offene oder schlecht gesicherte WLAN-Netzwerke in Nachbarländern, um ihre Aktivitäten zu verschleiern und Spionage zu betreiben. Diese Operationen verdeutlichen die zunehmende Bedrohung in Grenzregionen, in denen ungesicherte Netzwerke als Einfallstor für Cyber-Sabotage dienen. Nationale Sicherheitsbeamte warnen, dass herkömmliche Firewalls und VPNs möglicherweise nicht ausreichen, um solche Verstöße zu verhindern. Präventive Maßnahmen und öffentliches Bewusstsein sind entscheidend, um die Cyber-Resilienz zu stärken.
Wachsende Komplexität bei russischen Cyber-Operationen
Russlands Geschichte staatlich geförderter Cyber-Taktiken ist lang und gut dokumentiert. Allerdings haben Cybersicherheitsforscher in den letzten Monaten ein beunruhigendes Muster entdeckt: Hackergruppen nutzen die physische Nähe zu Grenzen aus, um zivile oder ungesicherte kommerzielle WLAN-Netzwerke zu kapern. Das Ziel? Um einen Puffer zwischen dem Ursprung des Angriffs und den Zielsystemen zu schaffen, wodurch die Zuordnung und Erkennung erschwert wird.
Laut einer im April 2024 von der Europäischen Agentur für Cybersicherheit (ECA) und der Cyber Response Unit der NATO veröffentlichten gemeinsamen Erklärung werden russische Hackerkollektive wie APT28 und Sandworm verdächtigt, Angriffe über WLAN-Netzwerke in Grenzdörfern und -städten in Ländern wie Estland, Lettland und Polen zu starten. Die Angreifer installieren Malware auf kompromittierten Geräten, die mit diesen lokalen Netzwerken verbunden sind, und nutzen sie später als Proxy-Punkte, um Regierungsdatenbanken, Finanzinstitute und Energienetze in anderen Ländern zu infiltrieren.

Wie die Angriffe funktionieren
Die Grundstruktur dieser Wi-Fi-basierten Angriffe ist sowohl clever als auch heimtückisch. Hacker scannen zunächst Grenzgebiete nach offenen oder schwach geschützten WLAN-Netzwerken. Öffentliche Hotspots, Heimrouter mit Standardkennwörtern und sogar Verbindungen kleiner Unternehmen waren häufige Ziele. Sobald der Zugriff gesichert ist, erhöht der Angreifer seine Berechtigungen durch Methoden wie:
- Installation von Netzwerk-Sniffer: Diese Tools erfassen Datenpakete und geben wichtige Informationen wie Benutzernamen, Passwörter und Sitzungstoken preis.
- Bereitstellung von Malware: Trojaner und Rootkits werden verwendet, um Fernzugriff zu erlangen und die Persistenz aufrechtzuerhalten.
- Erstellen von Proxy-Tunneln: Indem Hacker ihre Aktivitäten über ein harmloses Netzwerk weiterleiten, verbergen sie ihren wahren Standort und umgehen Geolocation-Filter oder regionale Überwachungssysteme.
Der leitende Analyst Tanel Mert vom estnischen Cybersicherheitsunternehmen GuardNet erklärt: „Diese Wi-Fi-Exploits sind Teil einer ‚Low-Footprint‘-Strategie. Im Gegensatz zu groß angelegten DDoS-Angriffen oder Ransomware-Kampagnen zielen diese Vorgänge darauf ab, monatelang unbemerkt in einem System zu bleiben, Informationen zu sammeln und auf den richtigen Zeitpunkt zum Handeln zu warten.“
Nicht nur Regierungsziele
Während nationale Regierungen und kritische Infrastrukturen primäre Ziele sind, gehen die Auswirkungen weit über staatliche Angelegenheiten hinaus. Regionale Nachrichtenberichte in Litauen und Weißrussland heben Vorfälle hervor, bei denen Anwohner unbekannte Dateien und seltsames Geräteverhalten entdeckten, nur um dann zu erfahren, dass ihre Heimnetzwerke zur Weiterleitung des Datenverkehrs im Rahmen staatlich unterstützter Spionageoperationen genutzt wurden.
Die folgenden Gruppen sind zunehmend gefährdet:
- Remote-Mitarbeiter: Ihre Heimnetzwerke sind oft weniger sicher als Unternehmensnetzwerke, enthalten jedoch häufig vertrauliche Informationen.
- Bildungseinrichtungen: Offene WLAN-Konfigurationen auf dem Campus bieten einfache Einstiegspunkte und Zugriff auf umfangreiche Datenströme.
- Gesundheitsdienstleister: Kliniken in ländlichen Gebieten oder Grenzgebieten verfügen häufig über veraltete Netzwerkhardware, die für häufige Angriffe anfällig ist.

Warum diese Angriffe schwer zu verfolgen sind
Der Einsatz zwischengeschalteter Netzwerke macht herkömmliche Methoden zur Bedrohungserkennung zunichte. Wenn Behörden versuchen, einen böswilligen Anmelde- oder Datenexfiltrationspfad aufzuspüren, landen sie an einer Wohnadresse oder im Netzwerk eines örtlichen Cafés – ohne etwas mit dem Angreifer zu tun zu haben. Dies führt die Ermittler in Sackgassen und führt zu verzögerten Reaktionszeiten.

Darüber hinaus nutzen russische Hackergruppen Berichten zufolge Verschlüsselungsebenen und Anonymisierungstools wie Tor oder benutzerdefinierte VPN-Ketten. In vielen Fällen hat sich die Malware- oder Exploit-Nutzlast bereits über verknüpfte Netzwerke ausgebreitet, wenn unregelmäßige Muster bemerkt werden, sodass sie Teil eines umfassenderen Botnetzes oder einer verschachtelten Befehlsstruktur ist.
Forensische Cybersicherheitsteams setzen sich jetzt für Folgendes ein:
- Erweiterte Netzwerkverhaltensanalyse (NBA) zur Erkennung von Anomalien in Verkehrsmustern.
- Verwendung von KI-basierter Software, um Verhaltensdaten mit bekannten Taktiken von Bedrohungsakteuren zu korrelieren.
- Aufklärung der Öffentlichkeit über die Bedeutung der Sicherung persönlicher Router und Geräte.
Regierungen reagieren auf die Bedrohung
Als Reaktion auf die wachsende Bedrohung investieren mehrere Länder in nationale Aufklärungskampagnen. Das polnische Ministerium für digitale Angelegenheiten hat beispielsweise die Initiative „Secure the Border Net“ ins Leben gerufen, um Bewohnern in der Nähe von Grenzgebieten dabei zu helfen, ihre WLAN-Heimnetzwerke zu stärken. Ebenso hat die lettische Regierung mit Universitäten Partnerschaften geschlossen, um kostenlose Router-Software zu vertreiben, die moderne Verschlüsselungsstandards wie WPA3 unterstützt.
Die EU-Kommission hat eine neue Cybersicherheitsrichtlinie vorgeschlagen, die sich explizit auf grenzüberschreitende digitale Bedrohungen konzentriert. Der Gesetzesvorschlag mit dem Namen „CyberShield 2024“ umfasst die Finanzierung regionaler Cybersicherheitsbewertungen, eine schnellere Malware-Identifizierung in den Mitgliedsstaaten und Mechanismen zum Echtzeit-Bedrohungsaustausch mit Satellitenstaaten.
Vorsichtsmaßnahmen für Einzelpersonen und Organisationen
Während sich Regierungen mit der Politik und deren Durchsetzung auseinandersetzen, bleiben präventive Maßnahmen an der Basis weiterhin von entscheidender Bedeutung. Hier sind wichtige Schritte, die Einzelpersonen und kleine Institutionen unternehmen sollten:
- Ändern Sie sofort die Standardanmeldeinformationen Ihres Routers . Verwenden Sie ein sicheres, eindeutiges Passwort.
- Aktualisieren Sie die Router-Firmware regelmäßig, entweder manuell oder durch automatische Updates, um Sicherheitslücken zu schließen.
- Aktivieren Sie die WPA3-Verschlüsselung , sofern verfügbar, die einen stärkeren Schutz vor Brute-Force-Angriffen bietet.
- Verwenden Sie eine Firewall sowohl auf Personalcomputern als auch auf Netzwerkebene.
- Überwachen Sie verbundene Geräte und Verkehrsmuster mithilfe von Router-Webportalen oder Apps von Drittanbietern.
Unternehmen sollten erwägen, bei der Durchführung von Netzwerkprüfungen mit Cybersicherheitsberatern zusammenzuarbeiten, insbesondere wenn sie in politisch sensiblen oder geografisch gefährdeten Gebieten tätig sind.
Fazit: Die Notwendigkeit der Wachsamkeit in einer grenzenlosen digitalen Welt
Da die Cyber-Kriegsführung immer nuancierter wird, wird die Bewaffnung alltäglicher Technologien immer stärker in den Vordergrund rücken. Die Ausnutzung von Wi-Fi-Netzwerken ist eine deutliche Erinnerung daran, dass die digitale Grenze keine Mauern kennt – selbst der ungesicherte Router Ihres Nachbarn kann zum Ausgangspunkt für einen geopolitischen Cyberangriff werden.
Da russische Hacker nun auf nahegelegene und ahnungslose Netzwerke zurückgreifen, um ihre Aktivitäten zu verschleiern, ist ein robuster und vielschichtiger Verteidigungsansatz unerlässlich. Während modernste Software und internationale Strafverfolgung eine Rolle spielen, beginnt die erste und wichtigste Verteidigungslinie immer noch zu Hause, mit der Wachsamkeit und Aufklärung jedes Benutzers.
